Keine Sommerpause im Orthschen Gut in Quohren

Marionettentheater Dombrowsky spielt gleich zweimal vor voll besetzten Saal

Einst zogen Puppenspieler mit kleinen Schauspieltheatern auf Rädern durch die Dörfer und Kleinstädte, spielten in Gasthöfen und brachten Kultur und Geschichten direkt aufs Land.

Mit dem traditionellen Marionettentheater Dombrowsky gastierte am 15. Juli eine der letzten reisenden Puppenspieler-Familien (in siebter Generation) in Quohren. Diese historische Volkskultur hat eine jahrhundertealte Tradition und sie wird mit ihrer Bühnenbildmalerei, Spieltechnik und Puppenschnitzkunst als immaterielles Weltkulturerbe geschützt.

Im voll besetzten Saal des Orthschen Gutes lauschten am Vormittag 100 Ferienkinder aus den umliegenden Horten aufmerksam dem »Froschkönig« und abends erfreute das historische Stück »Gräfin Cosel« mit starken regionalen Bezügen die Erwachsenen.

Mit schauspielerischem Geschick brachten die drei Puppenspieler die Stücke fesselnd auf die selbstgestaltete Illusionsbühne. Durch den geschickten Einsatz von bemalten Kulissen, raffinierten Lichteffekten und der klassischen Guckkastenbühne verschwamm mit zunehmendem Abstand die Grenze zwischen Wirklichkeit und Illusion. Die Szenerie wirkte erstaunlich plastisch und lies die Puppen größer erscheinen als sie waren.

Im Anschluss durfte das Publikum der Puppenspieler-Familie hinter der Bühne noch über die Schulter schauen und die kunstvoll geschnitzten Puppenköpfe aus der Nähe bewundern, die in traditioneller Handwerkskunst gefertigt wurden. In edle Stoffe eingekleidet hat die Figuren die Puppenspielerin selbst. Sogar die Knöpfe an den in der Barockzeit üblichen weißen Strümpfen durften nicht fehlen. Die hat das Familienoberhaupt selbst angenäht.

Es war tatsächlich ein ganz besonderer Sommerabend auf dem Land.